Emmi Pikler Wege der Entfaltung e.V.

Schon als Kinderärztin in den 1930er und 1940er Jahren, war die Begleitung der Familien der ihr anvertrauten Kinder wesentlicher Teil Emmi Piklers Arbeit. Wichtig war ihr, den Kindern und ihren Familien im Alltag zur Seite zu stehen und nicht nur in Fällen von akuten Krankheiten.

Im Pikler Institut für Säuglinge und Kleinkinder (Lóczy), das Emmi Pikler 1946 in Budapest gründete, spielte die begleitende Unterstützung der Betreuerin eine zentrale Rolle für die Beziehung zu den Säuglingen. Hier entstand eine Form der Begleitung, die der in Familien ähnlich war, aber doch nicht gleich. Auch in einem institutionellen Rahmen ist eine ‚privilegierte, emotionale Beziehung‘ wesentlich. Wichtig ist, dass sie die Einzigartigkeit der Bindung zwischen einer Mutter oder einem Vater und dem Kind nicht zu ersetzen versucht.

Über die feine Differenzierung zwischen diesen Beziehungen wurde in verschiedenen Veröffentlichungen geschrieben, u.a. in Mütterliche Liebe - Professionelle Liebe von Mária Vincze und in Lóczy - Mütterliche Betreuung ohne Mutter von Myriam David und Geneviève Appell.

In der Familie

Viele Familien leben heute ohne Einbindung in einem größeren familiären Kontext. Für ihre Fragen stehen ihnen statt der Großfamilie ein vielfältiges Angebot an Ratgebern oder Ratschlägen unterschiedlichster Spezialisten zur Verfügung. Für die ständigen unerwarteten Herausforderungen, mit denen uns Kinder konfrontieren, hat sich gezeigt, dass der Austausch über scheinbar unbedeutende Fragen des Alltags und eine Begleitung bei kleineren und größeren Nöten helfen, die Klippen des Lebens zu umschiffen.

Einstimmung auf das Baby - für angehende Eltern während der Schwangerschaft

In unseren Treffen beschäftigen wir uns natürlich mit der Gestaltung des Wochenbetts und Details in der Erstausstattung, die praktisch und sinnvoll sind. Doch wer ist dieses Kind, das da kommt? Welche konkreten Bedürfnisse bringt es mit, die von uns befriedigt werden wollen? Und welches sind seine Fähigkeiten?

Diesen und weiteren entstehenden Fragen wollen wir nachgehen: Wie schon Neugeborene mit uns kommunizieren und uns ihre Befindlichkeit zeigen. Unsere Möglichkeiten, wie auch die des Kindes zu kennen, bereichert unser gemeinsames Leben.

Leben mit dem Kind

Die Zeit nach der Geburt ist und bleibt – bei aller Vorbereitung und Vorerfahrung – voller Überraschungen. In dieser Phase des sich neu aufeinander Einstellens kann eine Begleitung in Form von einzelnen oder regelmäßigen Hausbesuchen und/oder Besprechungen am Telefon eine wertvolle Unterstützung bieten. Wir besprechen die vielfältigen Fragen aus dem Alltag ebenso wie konkrete Aspekte der Pflege, Gesundheit, Ausstattung und Entwicklung des Babys und Kleinkindes. Dabei geht es uns vor allem darum, den kleinen Säugling umfassend wahrzunehmen und verstehen zu lernen. Es geht uns auch darum, unsere eigenen Reaktionen auf ihn wahrzunehmen und zu verstehen.

Sowie die Kinder größer werden, tauchen ständig neue Fragen und Themen auf. Wir betrachten konkrete Situationen, die uns beschäftigen. Gemeinsam hinzusehen ist wie das Anschalten einer Taschenlampe bei dämmrigem Licht, um klarer sehen zu können. Durch Sehen und Verstehen können sich Situationen klären und entspannen.

Begleitung im professionellen Rahmen

Die Betreuung von Babys, kleinen und größeren Kindern außerhalb der Familie stellt eine hohe Verantwortung und Anforderung für die Pädagogin oder den Pädagogen dar. Die Kinder befinden sich zunächst in einem Entwicklungsstadium, in dem sie darauf angewiesen sind, dass der Erwachsene erkennt, versteht und angemessen für sie sorgt: was sie von ihm an Versorgung brauchen, um sich satt – auch an Beziehung – der Erkundung ihrer selbst und der Welt zuwenden zu können.

Wachsen die Kinder heran, sind sie zunehmend in der Lage für sich selbst zu sorgen. Und trotzdem bleibt das Bedürfnis gesehen und verstanden zu werden bestehen. Es zeigt sich nur anders. Ein sicherer, verbindlicher Rahmen trägt dazu bei, dass die Kinder ihre Schritte in immer größer werdenden Kreisen wagen.

Die Bedingungen, diese Schritte zu ermöglichen, müssen immer wieder neu gestaltet werden. Dies auszuloten bieten wir für Einrichtungen, Teams und einzelnen Personen an, konkrete Situationen oder aktuelle Themen und Fragen gemeinsam zu beleuchten.

Einfließendes Wissen und Erfahrung über die Natur der Kinder – wie sie leben, sich entwickeln und was sie von uns brauchen – können uns helfen, zu erkennen, was sie gerade brauchen.

Bestimmte Themen eignen sich auch als Basisthemen, z.B. die Rolle der Erwachsenen, Regeln und Grenzen oder Erwartungen. Ebenso Reizthemen wie schwierige Jungen, Konflikte, Kooperation oder Machtkampf.


In regelmäßigen Abständen besuchen wir die Einrichtung zu Hospitation und Austausch im Team. 

Referenten: Anna Breckner, Dr. Anna Czimmek, Karsten Czimmek, Helga Wolf

Termine nach Vereinbarung: Tel: 08092/863982, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Pikler Pädagogik

"Die wahre Genialität ist die existenzielle Genialität. Ich wage zu behaupten: Nahezu alles Wissen, das nicht unmittelbares Wissen über uns selbst ist, ist umsonst"
(Imre Kertész)


Audio: Charlotte Selver liest
"Der Anfang vom Anfang"
(MP3 Dowload, ca 32 MB) ...


Emmi Pikler Buch

Czimmek, Anna
Emmi Pikler - Mehr als eine Kinderärztin
28,00 €
P. Zeitler Verlag
ISBN 978-3-931428-20-4

"Emmi Pikler (1902-1984) war eine ungewöhnliche, ungarische Kinderärztin. Sie beschäftigte sich intensiv mit den Bedingungen für eine gesunde und freie Entwicklung von Säuglingen und Kleinkindern. Dies war untypisch für Kinderärzte. Ihre Fähigkeit zur genauen Beobachtung führte zu neuen Erkenntnissen über die Kompetenz und Bedürfnisse des Kindes - Grundlage für eine bis heute aktuelle Pädagogik.

Mit inhaltlichen Beiträgen von Mária Vincze, Anna Tardos und Myriam David sowie Éva Kálló.

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